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Sexualität als Liebeskunst. Das Kamasutra neu gelesen.

Es gibt ein Buch, das fast jeder zu kennen glaubt. Und das fast niemand wirklich gelesen hat. Das Kamasutra. Der Name weckt alle möglichen Assoziationen – sexuelle Stellungen, exotische Illustrationen, eine Anleitung für Sexualität, sexuelle Intimität und Ekstase. Das hat mich neugierig gemacht. Als ich das Buch dann tatsächlich las, fand ich etwas ganz anderes: einen Text über die Kunst der Begegnung, über Sehnsucht, Schönheit und die Art und Weise, wie sich Menschen einander öffnen. Gleichzeitig ist es auch ein Text, der in einer anderen Zeit und in einer anderen Kultur geschrieben wurde. Aber dazu später mehr in dieser Geschichte.

Über Sehnsucht, Stimmung und die Kunst der Begegnung

Vātsyāyana, der Gelehrte, der das Kamasutra im vierten Jahrhundert schrieb, kannte die Welt des Verlangens aus nächster Nähe. Er zog durch Städte, besuchte Kurtisanen, hörte zu, beobachtete und ordnete, was er sah. Sein Buch ist das Werk eines Menschen, der die menschliche Natur aus nächster Nähe studierte – in ihren Sehnsüchten, ihren Gewohnheiten, ihrer Schönheit und ihrer Verletzlichkeit.

Das Ergebnis ist ein Text, der von Anziehung und Umwerben erzählt, von Atmosphäre und Vorbereitung, von Musik, Duft, Kleidung, Gesprächen und der subtilen Sprache der Präsenz. Von Ehe und Zweisamkeit, von der Dynamik zwischen Partnern, von sozialer Intelligenz und emotionaler Sensibilität. Sex ist ein Teil davon – sehr offen und unverblümt, ohne Scheu. Und gleichzeitig ist das nur eine Ebene eines viel reichhaltigeren Ganzen.

Mit offenen Augen lesen

Das Kamasutra ist auch ein Kind seiner Zeit. Es ist verwoben mit einer urbanen, elitären und patriarchalischen Kultur, in der Frauen viel weniger Freiheit hatten als Männer. Ehe, Besitz, Sexualität und soziale Macht waren eng miteinander verbunden. Das merkt man in bestimmten Passagen. Unsere heutige Kultur verlangt, dass wir das Kamasutra bewusster lesen, und das erfordert Unterscheidungsvermögen. Diese alte Ungleichheit kann uns gleichzeitig wachsam machen für das, was heute noch immer eine Rolle spielt. Für die Ungleichheiten in unserer Gesellschaft, in unseren Beziehungen und manchmal auch in spirituellen oder tantrischen Gruppen.

Seinen Reichtum können wir annehmen. Seine patriarchalischen Annahmen müssen wir nicht in unsere Zeit mitnehmen. Gerade in dieser bewussten Lektüre bleibt das Kamasutra eine lebendige Quelle der Einsicht, der Schönheit und des Gesprächs.

Erotik beginnt lange vor dem Akt

Was das Kamasutra heute so relevant macht, ist seine grundlegende Erkenntnis: Erotik beginnt lange vor dem Akt. Erotik wächst in der Atmosphäre, die du schaffst, in dem Blick, mit dem ihr euch gegenseitig empfängt, in der Ruhe, die entsteht, wenn der Tag von dir abgleiten darf. Das Verlangen hat eine eigene Intelligenz. Es entfaltet sich nach seinem eigenen Rhythmus und braucht Wärme, Zeit und Aufmerksamkeit.

Viele Menschen leben in einem Rhythmus, in dem der Tag mit Arbeit, Nachrichten und Bildschirmen gefüllt ist. Gegen Abend kommen zwei Menschen zusammen mit allem, was sie in Kopf und Körper mit sich tragen. Die Schultern tragen noch die Anspannung des Tages. Das Kamasutra erinnert daran, dass der Übergang vom Tag zur Begegnung einen eigenen Raum verdient. Jemand legt sein Handy beiseite. Der Atem wird tiefer. Zwei Menschen schauen sich wirklich an. Eine Hand ruht kurz auf einem Rücken oder einer Schulter.

Ein Mahl, dem Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Ein Raum, in dem das Licht sanft ist. Ein Duft von Öl oder Blumen. Worte, die nicht erklären, sondern aufladen. Das sind einfache Dinge. Und doch tragen sie viel. Sie geben dem Körper ein Signal, dass er von Anspannung zu Empfänglichkeit übergehen darf. Sie helfen, die Sinne zu öffnen. Sie machen den Raum zu einem Ort, an dem der Körper schmeckt, riecht, hört, sieht und atmet.

Das Kamasutra versteht, dass Sexualität viele Zugänge hat – über deine Ohren, deine Augen, deine Nase, deine Haut. Wenn du bewusst damit umgehst, merkst du, dass die Qualität einer sexuellen Begegnung oft schon lange vor dem Betreten des Schlafzimmers bestimmt wird.

Der Körper und die Sprache der Lust

Das Verlangen lebt in der Fantasie, in der Erwartung, in Worten und Andeutungen, in der Bedeutung eines Blicks, in der Spannung von etwas, das noch nicht geschehen ist, aber schon spürbar wird. Ein Flüstern kann vieles in Gang setzen. Eine kleine Geste kann innerlich nachhallen. Manchmal ist es ein einziger Satz, der alles verändert – das Versprechen dessen, was später geschehen wird, das schon den ganzen Abend zum Glühen bringt.

Das Kamasutra eröffnet auch eine Kultur, in der über Sehnsucht gesprochen werden kann. Viele Menschen tragen ein Schweigen rund um Sexualität mit sich. Es fällt ihnen schwer, Worte zu finden für das, was sie öffnet, für das, was ihr Körper verlangt, für das, was sie begehren, aber noch nie ausgesprochen haben. Das Buch vermittelt die Idee, dass Lust in Worte gefasst werden darf. Dass man als Liebende darüber sprechen, daraus lernen und gemeinsam daran wachsen kann.

Manchmal hilft auch einfach offene Sprache: Lingam, Yoni, Klitoris, Brüste. Körperteile werden dann zu einer Quelle der Berührung, der Lust und der Wiedererkennung. Wenn solche Worte zu fließen beginnen, ändert sich oft vieles. Sexualität wird zu einem gemeinsamen Feld der Erkundung – weniger eine Zone der Vermutungen, mehr ein Ort echten Kontakts.

Weibliche Lust und gegenseitige Abstimmung

Eines der wertvollsten Elemente des Kamasutra ist der Raum, den es für weibliche Lust schafft. Es vermittelt eine Vision von Erotik, in der die Erfahrung der Frau, ihre Erregung, ihr Verlangen, ihre Empfänglichkeit voll und ganz Teil der Qualität der Begegnung sind. Das hat heute große Bedeutung. Viele Frauen leben immer noch in einer Sexualkultur, in der ihrem Vergnügen weniger Raum gegeben und weniger Zeit gewidmet wird.

Weibliche Erregung hat oft ihr eigenes Tempo, ihren eigenen Rhythmus. Sie lebt in der Atmosphäre, in der Geborgenheit, in Worten. Sie wächst durch die Aufmerksamkeit, durch die sich eine Frau gesehen fühlt, durch die Qualität der Berührung, durch die ihr Körper die Zeit bekommt, mitzuerwachen. Achtung schenken der Klitoris, der Feuchtigkeit, dem Mund und der Zunge, der Art und Weise, wie eine Yoni auf Geduld, auf Rhythmus, auf Druck und auf Geborgenheit reagiert.

Sexualität lebt zwischen zwei Menschen. Dieser Zwischenraum erhält seine Qualität durch die Art und Weise, wie Menschen einander zuhören, die Signale des anderen wahrnehmen, verlangsamen, einladen und gemeinsam einen Rhythmus finden. Es entsteht Raum für Ja, für mehr, für sanfter, für langsamer, für anders. Das ist auch der Ort, an den die heutige Einwilligung voll und ganz gehört, als Fundament, auf dem sich Vertrauen und Intensität gegenseitig verstärken.

Für langfristige Beziehungen: die Kunst des neuen Sehens

In längeren Liebesbeziehungen wächst Vertrautheit. Und in dieser Vertrautheit leben viele kostbare Dinge: Sicherheit, gemeinsame Erinnerungen, eine tiefe Form der Nähe. Das Kamasutra hilft dabei, die Kunst des neuen Sehens wiederzuentdecken. Es lädt Liebende dazu ein, einander neu wahrzunehmen – als Körper, die immer noch Überraschungen bereithalten, und als Menschen, die immer noch von Aufmerksamkeit, Spiel und Sehnsucht berührt werden können.

Das kann ganz konkret sein: den Abend anders beginnen, einander neu verführen, eine alte Berührung wieder zulassen, als würde sie zum ersten Mal volle Aufmerksamkeit erhalten, es wagen zu benennen, wonach man sich inzwischen sehnt. Kleine Verschiebungen, die viel eröffnen. Eine Erotik der Aufmerksamkeit, des Schauens, des Zuhörens und vor allem der Langsamkeit, die zwei Menschen einander näherbringt.

Bis in unsere eigenen Häuser

Das Kamasutra spricht aus, was viele Menschen bereits fühlen, aber selten aussprechen. Dass eine intime Begegnung etwas ist, das bewusste Aufmerksamkeit verdient. Dass eine Berührung tiefer wirkt, wenn dafür Raum ist. Dass das Verlangen wächst, wenn man bewusst damit umgeht. Von damals in Pataliputra bis heute in unseren eigenen vier Wänden. Dieses 1700 Jahre alte Buch lädt uns ein, unsere Sexualität authentischer zu leben.


Möchtest du tiefer eintauchen?

Im Podcast tauche ich weiter in den Text ein. Von der stimmungsvollen Eröffnungsszene im alten Pataliputra bis hin zu konkreten Einsichten für Liebende heute. Über Abstimmung und Einverständnis, über Scham, über die Sprache der Lust und darüber, was eine langfristige Beziehung lebendig hält.

Wir sind zu Berührern von Maschinen geworden

Vor kurzem war es fast überall in den Nachrichten. Die Medien haben darüber berichtet, als wäre was Großes passiert. Das neue iPhone Air ist da! Es ist dünner als je zuvor, leichter als je zuvor. Das lässt auf große Begeisterung hoffen. Ein großer Schritt für die Menschheit, so scheint es. Wir berühren es. Das Smartphone. Öfter als unsere Liebsten, öfter als unsere Freunde, öfter als uns selbst. Unsere Finger kennen seine Konturen besser als die eines menschlichen Gesichts. Wir streicheln den Bildschirm mit einer Zärtlichkeit, die einst für Haut gedacht war.

Manchmal sagt man: „Männer wollen den Größten haben“, jetzt ist es der Dünnste, und nicht nur Männer. Das Smartphone ist zu einem Lustobjekt geworden. Als ob Gewicht und Dicke das letzte Hindernis zwischen uns und der perfekten Verbindung waren. Als ob dieses Gerät uns endlich das geben würde, wonach wir die ganze Zeit gesucht haben.

Aber was haben wir eigentlich gesucht?

Wir berühren, aber verbinden uns nicht

Wir berühren jetzt den ganzen Tag lang. Nicht einander, sondern Geräte. Unser Smartphone, ja – hunderte Male am Tag. Aber auch unseren Laptop, unsere sorgfältig ausgewählte Kaffeemaschine, unsere Waschmaschine mit Touchscreen, unser Auto mit Sensoren und Sprachsteuerung. Wir sind zu Berührern von Maschinen geworden. Und je mehr wir sie berühren, desto weniger scheinen wir uns gegenseitig zu berühren.

Wir scrollen durch Gespräche, aber vermeiden echten Blickkontakt. Wir swipen durch Dating-Apps. Wir verschicken Herzchen, aber vergessen, wie sich ein echter Herzschlag unter unserer Hand anfühlt. Wir berühren, aber verbinden uns nicht. Nicht, weil wir das nicht wollen. wir haben es vergessen. Weil wir glauben, dass Nähe digital sein kann. Dass Berührung eine Schnittstelle ist.

Die Illusion von Luft

„Air” nennt Apple es. Als ob das Gerät so leicht wäre, dass es zwischen uns und der Welt verschwindet. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Bildschirm ist zu einer Mauer geworden. Zu einer Barriere zwischen Haut und Haut. Zwischen Atem und Atem. Zwischen Mensch und Mensch.

Und die Hersteller von Smartphones und sozialen Medien sind schlau. Sie haben Benachrichtigungen erfunden. Wie viele bekommst du pro Tag? Und bei jeder Benachrichtigung, bei jedem „Ping” werden in unserem Körper Dopamine freigesetzt. Das wissen diese Entwickler ganz genau. Dopamin ist das sogenannte Belohnungshormon. Dopamin lässt unser Gehirn denken, dass möglicherweise etwas Interessantes oder Belohnendes auf uns zukommt. Und deshalb greifen wir immer wieder zu unserem Telefon, checken unsere Mailbox, werden süchtig nach Likes auf Facebook. Ping, ping, ping.

Dopamin ist viel älter als Smartphones, E-Mail oder soziale Medien. Dopamin wurde geschaffen, um bei einer liebevollen Berührung, einer Liebkosung, einer sanften, warmen Hand auf dem Rücken freigesetzt zu werden. Bei einer Umarmung, die länger als 20 Sekunden dauert, wird nicht nur Dopamin freigesetzt, sondern auch Oxytocin und Serotonin, Glückshormone. Und Dopamin schafft die Erwartung, die Hoffnung auf diese Glückshormone. Und bei diesen Benachrichtigungen bleiben wir in dieser Erwartung stecken, hungrig nach einem Glück, das nie kommt.

Wir verwechseln heute Berührung mit Interaktion. Wir denken, dass ein Emoji dasselbe ist wie ein Blick. Dass ein Symbol die Wärme einer Umarmung ersetzen kann. Aber unser Körper weiß es besser. Er sehnt sich nach den Berührungen, für die wir bestimmt sind. Willst du wirklich einen Dopamin- und Oxytocin-Anstieg? Dann küsse. Vor allem in einem romantischen oder intimen Kontext. Kein Kuss-Emoji kann da mithalten.

Wir sind nicht aus Glas gemacht

Wir sind aus Haut gemacht, aus Nerven, aus Blut, das bei echter Berührung schneller fließt. Wir sind nicht dafür gemacht, nur Pixel zu fühlen. Wir sind dafür gemacht, bei einem Kuss zu zittern, bei einer Liebkosung zu entspannen, uns bei einer Berührung zu öffnen, die nichts verlangt, sondern einfach nur da ist.

Deshalb lade ich dich ein. Mit Kama Tantra. Zueinander, statt zu einem Bildschirm. Zu einer echten Begegnung. Zu einer Berührung, die präsent, verbunden, respektvoll und liebevoll ist. Zu einem Raum, in dem wir wieder Menschen sein dürfen, keine Nutzer. Wo wir uns nicht hin und her swipen, wo wir uns spüren. 

Dünner denn je, aber du bist hier

Wenn wir also später das neue iPhone Air auspacken, bewundern wir vielleicht seine Eleganz. Aber lass uns auch spüren, was in unserem Leben dünner geworden ist. Nicht das Gerät, sondern der Raum zwischen uns. Der echte Raum, der Raum, der greifbar und menschlich ist.

Und lass uns diesen Raum wieder füllen. Mit uns selbst. Mit einander. Mit Berührungen, die nicht aufleuchten. Lass deine Berührungen Wärme schenken.

Ich umarme dich … mindestens 20 Sekunden lang!


Nächste Veranstaltungen

Innere Klarheit bei intimen Begegnungen – eine männliche Perspektive

Kürzlich kam in einer Männerrunde während eines unserer Seminare die Frage auf: „Warum erwarten Frauen immer so viel innere Klarheit von uns, wenn wir uns auf Begegnungen einlassen wollen?“ Diese Frage ist essentiell und trifft den Kern des Themas der intimen Begegnung. Diese innere Klarheit ist natürlich nicht nur wichtig, wenn Männer eine Begegnung mit Frauen eingehen wollen. Sie gilt auch für Frauen, die sich Männern nähern, sowie für Begegnungen zwischen Frauen und zwischen Männern. Wenn ein Mann jedoch eine intime Begegnung mit einer Frau eingehen will, spielt diese innere Klarheit eine andere – sehr entscheidende – Rolle. Und das hat mit der historischen Verletzlichkeit von Frauen und der historischen Dominanz von Männern zu tun. Innere Klarheit kann ein Element der Heilung sein.

Für viele Männer kann es eine Herausforderung sein, bei intimen Begegnungen ganz präsent und bewusst zu sein. Unsere Gesellschaft lehrt uns oft, Gefühle zu unterdrücken und uns nicht mit unseren tiefsten Sehnsüchten zu verbinden. Aber gerade in einer intimen Situation, vor allem wenn du eine Frau triffst, die vielleicht durch frühere grenzüberschreitende Erfahrungen gezeichnet ist, ist innere Klarheit unerlässlich. Diese Klarheit – über deine Wünsche und deine Absichten – ist der Schlüssel, um einen sicheren und respektvollen Raum zu schaffen, in dem sie sich frei und geschützt fühlen kann.

Was ist innere Klarheit bei intimen Begegnungen im Tantra?

Im Tantra ist innere Klarheit zentral für die Verbindung zwischen zwei Menschen. Es geht nicht nur darum, was du dir wünschst, sondern auch darum, was du bereit bist zu geben, wobei du immer die Grenzen der anderen Person respektierst. Tantra lehrt, dass es für eine authentische Begegnung unerlässlich ist, die eigenen Wünsche ohne Scham oder Verurteilung zuzulassen.

Viele Frauen haben leider schon Erfahrungen mit Männern gemacht, die ihre Absichten verheimlicht, manipuliert oder sogar Gewalt angewendet haben. Das hat oft ihr Vertrauen in die Intimität beschädigt. Deshalb liegt es in unserer Verantwortung als Männer, uns über unsere Wünsche und Absichten im Klaren zu sein, damit wir einen sicheren, respektvollen Raum schaffen können. Diese Klarheit stellt sicher, dass du deine eigenen Wünsche und Grenzen kennst, während du ihr gleichzeitig den Raum gibst, sich sicher und gehört zu fühlen.

Die Auswirkungen von Übergriff und die Bedeutung von Klarheit

Viele Frauen machen die Erfahrung, dass Männer ihre Absichten nicht deutlich machen oder ihre Grenzen nicht respektieren. Das hat tiefe Spuren hinterlassen und ihre Fähigkeit, anderen in intimen Situationen zu vertrauen, beeinträchtigt. Deine innere Klarheit kann bei intimen Begegnungen einen großen Unterschied machen. Wenn du von Anfang an klar und offen über deine Wünsche und Absichten sprichst, gibst du ihr ein Gefühl der Sicherheit. Sie weiß, dass sie keine versteckten Absichten befürchten muss, dass ihre Grenzen respektiert werden und dass sie nicht unter Druck gesetzt wird, etwas zu tun, was ihr unangenehm ist.

Klarheit und Ehrlichkeit über deine Absichten geben ihr den Raum, sie selbst zu sein. Sie kann frei sagen, was sie will und was nicht, ohne Angst, missverstanden oder manipuliert zu werden. Dies bildet die Grundlage für den Aufbau von Vertrauen – etwas, das entscheidend ist, wenn sie zuvor mit übergriffigem Verhalten zu tun hatte.

Deine eigenen Wünsche und Absichten annehmen

Als Mann kann es verlockend sein, seine eigenen Wünsche zurückzustellen, aus Angst, nicht akzeptiert zu werden. Aber Tantra lehrt uns, dass wahre Verbindung entsteht, wenn du ehrlich zu deinen Gefühlen und Wünschen stehst. Das bedeutet nicht, der anderen Person deine Wünsche aufzudrängen, sondern sie offen und respektvoll mitzuteilen, damit Raum für gegenseitigen Austausch bleibt.

Indem du deine Absichten und Wünsche klar formulierst, gibst du ihr die Möglichkeit, das Gleiche zu tun. Das schafft eine Atmosphäre der Offenheit und des Respekts, in der ihr beide entdecken könnt, was sich für euch richtig anfühlt. Außerdem verhinderst du so, dass du dich in ihren Wünschen verlierst, ohne deinen eigenen Aufmerksamkeit zu schenken. Ehrliche Kommunikation gibt beiden Partnern das Gefühl, wertgeschätzt und gehört zu werden.

Innere Klarheit und das Setzen von Grenzen sind Kernthemen der Kama Tantra Workshops.

Praktische Schritte zur Förderung innerer Klarheit und Sicherheit

Denke über deine Wünsche nach: Nimm dir einen Moment Zeit, um darüber nachzudenken, was du wirklich willst. Dieses Bewusstsein hilft dir, deine Wünsche ehrlich zu kommunizieren, ohne Verwirrung zu stiften.

Kommuniziere deine Absichten: Sprich von Anfang an offen darüber, was du bei der Begegnung zu erleben hoffst. Das schafft Klarheit und verhindert, dass sie sich unwohl fühlt oder unter Druck gesetzt wird.

Höre auf ihre Grenzen: Stelle Fragen über ihre Wünsche und Grenzen und höre aktiv zu. Respektiere, was sie mitteilt, und zwinge sie nie zu etwas, was außerhalb ihrer Komfortzone liegt.

Bleib dir selbst treu: Während du ihre Wünsche respektierst, ist es auch wichtig, deinen eigenen treu zu bleiben. Ein gesundes Gleichgewicht zwischen beiden sorgt für eine authentische und gleichberechtigte Begegnung.

Wie innere Klarheit Sicherheit schafft

Innere Klarheit bei intimen Begegnungen beginnt mit Selbstreflexion. Bevor du dich auf eine intime Begegnung einlässt, ist es wichtig, darüber nachzudenken, was du fühlst und begehrst. Was möchtest du wirklich erleben? Was sind deine Absichten? Wenn du diese Fragen ehrlich beantwortest, vermeidest du Zweideutigkeiten und Missverständnisse und schaffst eine Grundlage für Offenheit.

Für eine Frau, die bereits Erfahrungen mit Männern gemacht hat, die ihre Absichten verheimlicht haben, kann deine Ehrlichkeit wie ein frischer Wind sein. Wenn du offen und ohne Druck oder Manipulation sagst, was du willst, gibt ihr das ein sicheres Gefühl. Dieser Respekt für ihre Grenzen und Wünsche hilft ihr, sich zu entspannen und Vertrauen aufzubauen.

Innere Klarheit ist die Grundlage für jede intime Begegnung, bei der Vertrauen und Respekt der Schlüssel sind. Für Männer ist es wichtig, ihre eigenen Wünsche anzunehmen und sich über ihre Absichten im Klaren zu sein, vor allem, wenn sie mit Frauen zu tun haben, die Narben von früherem Übergriff tragen. Indem du transparent machst, was du suchst, und ihren Wünschen und Grenzen Raum gibst, schaffst du einen sicheren, respektvollen Raum. Im Tantra wird dies als das perfekte Gleichgewicht zwischen Shiva und Shakti angesehen – ein gegenseitiger Energieaustausch, der zu wahrer Verbindung, Sicherheit und tiefer emotionaler Erfüllung führt.

Den Männern in der Männerrunde danke ich herzlich für ihre Offenheit, ihre Verletzlichkeit, ihren Mut und ihre Herzenswärme.

Bild Paar © deagreez stock.adobe.com


Nala and Damayanti

NALA UND DAMAYANTI

Nala, ein mutiger und rechtschaffener König, hat sich in die Prinzessin Damayanti verliebt, nachdem er von ihrem Ruhm und ihrer Schönheit gehört hat. Er schickt ihr durch eine himmlische Gans eine Botschaft, in der er seine Liebe und seine Absichten deutlich macht. Er nähert sich ihr mit Respekt und Offenheit, ohne sie zu manipulieren oder zu zwingen. Damayanti ist von seinen ehrlichen und klaren Gefühlen tief berührt und beschließt, dass er der einzige Mann ist, den sie heiraten will, trotz vieler anderer potenzieller Bewerber, darunter auch Götter.

Als Damayanti sich schließlich zwischen ihren Freiern entscheiden muss, wählt sie entschlossen Nala, weil sie seine reinen Absichten spürt und versteht, dass ihre Liebe auf gegenseitigem Respekt und Klarheit beruht. Ihre innige Verbindung wird zu einem starken Band der Liebe, das auch in den schwierigsten Zeiten Bestand hat.

Diese Geschichte zeigt, wie innere Klarheit und der offene Ausdruck von Wünschen in Verbindung mit dem Respekt für die andere Person zu einer tiefen und liebevollen Verbindung führen können. Nalas Aufrichtigkeit hat nicht nur Vertrauen zu Damayanti geschaffen, sondern auch zu einer intimen und spirituellen Beziehung geführt, die den Test der Zeit überdauert.

Aus dem Mahabharata


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Dich neu spüren, dem Anderen neu begegnen – Kama Tantra Sonntag

Manchmal kennst du dich selbst schon lange – und trotzdem spürst du: Da gibt es noch Schichten, die du selten berührst. Und genauso beim Gegenüber: Du siehst den Menschen, du hast Bilder, Gewohnheiten, vielleicht auch Erwartungen – und doch fehlt manchmal dieser frische Moment, in dem Begegnung wieder lebendig wird. In diesem Kama Tantra Sonntag „Dich neu spüren, dem Anderen neu begegnen“ öffnen wir genau diesen Raum: zurück in dein unmittelbares Körpergefühl, zurück in eine Begegnung, die nicht aus Routine entsteht, sondern aus Präsenz.

„Dich neu spüren, dem Anderen neu begegnen“ ist Teil der Reihe Kama Tantra Sonntag: ein klar strukturierter Sonntag, der dich sanft aus dem Kopf in den Körper führt und dich einlädt, dich selbst und andere wacher, weicher und wahrhaftiger zu erleben. Unsere Praxis ist inspiriert von klassischem śaiva Tantra, gleichzeitig modern und alltagsnah vermittelt, mit Fokus auf Erfahrung, Körperbewusstsein und Begegnung.

„Das merkwürdige Paradox ist: Wenn ich mich so annehme, wie ich bin, dann kann ich mich verändern.“ – Carl R. Rogers


Die Reihe „Kama Tantra Sonntag“

Kama Tantra Sonntag ist eine monatliche Tagesreihe mit wiederkehrender Struktur und wechselnden Themen. Jede Ausgabe verbindet Körperarbeit, Begegnung und eine thematische Vertiefung. Durch den vertrauten Ablauf kannst du schnell eintauchen – und das neue Thema bringt jedes Mal frische Perspektiven und Erfahrungen. Du kannst einzelne Sonntage besuchen oder die Reihe als kontinuierlichen Weg nutzen.

>> Über die Kama Tantra Sonntage


Was dich erwartet

Vormittag (11–13 Uhr): Ankommen & Energie in Bewegung
Wir starten mit einer offenen Vorstellungsrunde. Danach praktizieren wir – je nach Termin – Meridian-Yoga zu zweit (Partner-Set) oder eine OSHO-Meditation. Beides bringt dich in den Körper, öffnet den Atem und aktiviert die feine Wahrnehmung.

Mittagspause (13–14.30 Uhr)

Nachmittag (14.30–18 Uhr): Monatsthema in zwei Sets

Tantrische Übungen im Thema: Meditation, Begegnungs-Übungen, Wahrnehmung, energetische Experimente und Räume für unmittelbare Erfahrung. Du erforschst, wie Lebensenergie in dir zirkuliert – und wie schöpferische Kraft entsteht, wenn du Spannung in Bewegung bringst: durch Atem, Stimme, Blick, klare Ausrichtung und das Spiel mit Nähe und Distanz. Es geht um das Erleben von „Ich kann“ und „Ich darf“ – ohne Druck, mit Neugier.

Berührung & Massage: Eine zweite Session mit Berührung und/oder Massage, passend zum Thema. Berührung wird zum Nährboden: für Entspannung, für tieferes Spüren, für Erregung im weiteren Sinn – als Belebung, als Durchströmung, als kreatives Aufwachen. Nacktheit kann dabei ganz natürlich und stimmig sein – immer innerhalb deiner persönlichen Grenzen und in deinem Tempo.


Für wen ist es geeignet

Diese Tagesworkshop ist für dich, wenn du…

  • Tantra kennenlernen möchtest, auch als Anfänger:in
  • mehr Körperbewusstsein, Präsenz und Vitalität spüren willst
  • Lust hast, deine kreative Kraft körperlich zu entdecken – jenseits von „Leistung“
  • Berührung als nährenden, klaren Erfahrungsraum erleben möchtest
  • dich nach einem Sonntag sehnst, der dich innerlich sortiert und gleichzeitig belebt
  • dich in einem inklusiven Raum wohlfühlen möchtest – unabhängig von Geschlecht, Alter, körperlicher Verfassung. LGBTQIA+ freundlich – offen für alle Identitäten und Orientierungen.

Du brauchst keine Vorkenntnisse und keine besondere Fitness. Alles wird so angeleitet, dass du gut mitgehen kannst.


Dein Nutzen

Nach diesem Sonntag nimmst du typischerweise mit:

  • ein spürbar stärkeres Gefühl von Lebensenergie im Körper (Wärme, Puls, Durchströmung)
  • praktische Tools, um Energie zu wecken, zu halten und zu kanalisieren
  • mehr Mut und Klarheit für kreative Schritte – klein oder groß, ganz konkret
  • feinere Kontaktkompetenz: Wahrnehmung, Kommunikation, Natürlichkeit
  • Inspiration für deinen Alltag: wie du deine Kraft nährst, ohne auszubrennen, und wie Kreativität aus Präsenz entsteht

Seminarleitung

Marc van Daele - Kama Tantra

Marc van Daele

Tantrischer Begleiter, Gruppenleiter für körperpsychotherapeutische Paar- und Sexualtherapie und Gründer von Kama Tantra

  • Brüssel


Seminarort

Praxis Kurbrunnen AachenKama Tantra Praxis Kurbrunnenstraße Aachen Kurbrunnenstraße 30 52066 Aachen   Die Praxis ist vom Hauptbahnhof Aachen aus leicht zu Fuß zu erreichen.


Uhrzeiten

Sonntag:  11.00 – 18.00 Uhr


Verpflegung

Tee und Wasser sowie kleinere Snacks für zwischendurch gibt es vor Ort. Mittags wird es eine längere Mittagspause geben, in der du entweder selbst Mitgebrachtes im Seminarraum essen kannst, oder du kannst dich stärken in einem Restaurant in der Gegend.


Kosten

Seminargebühr: 110 €

Wir finden es wichtig, dass auch Menschen in einer prekären finanziellen Situation an unseren Seminaren teilnehmen können. Deshalb bieten wir bei unseren Veranstaltungen immer einen Platz zu einem ermäßigten Preis an. Wenn du glaubst, dass du dafür in Frage kommst, kontaktiere uns bitte.

Ermäßigung für Studierende

Wir wollen jungen Menschen den Zugang zur tantrischen Selbsterfahrung erleichtern. Deshalb bieten wir Studierenden einen Rabatt von 20% auf die  Teilnahme-Gebühr für dieses Seminar.

Bedingungen

  • Gültiger Studierendenausweis oder Immatrikulationsbescheinigung
  • Gilt für Vollzeitstudierende bis 30 Jahre
  • Begrenzte Plätze pro Workshop verfügbar

So funktioniert’s

Schick uns einfach eine E-Mail (info@kamatantra.eu) mit einem Nachweis deiner Studienberechtigung und gib an, an welchem Workshop du teilnehmen möchtest. Wir melden uns zeitnah bei dir.


Anmeldung

Alle Anmeldungen sind verbindlich. Bevor du dich für ein Seminar anmeldest, lies bitte die Stornierungsbedingungen und den Verhaltenskodex von Kama Tantra. Wir freuen uns, wenn wir uns vorher mit dir unterhalten können. Dabei können wir uns kurz kennenlernen und wir erzählen dir gerne mehr über Kama Tantra und über diesen Workshop. Ist Tantra neu für dich? Dann empfehlen wir dir unseren Blogbeitrag „Zum ersten Mal zu Tantra gehen – Was dich bei deinem ersten Seminar erwartet“ Melde dich jetzt über unser Ticketmodul an und mach den Schritt zu mehr Freiraum in deinem Leben, in deinen Gedanken und in deinem Herzen.

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